1 • Marrakesch

Patissérie in Marrakesh

Und wieder einmal geht es auf Reise – diesmal für dreieinhalb Wochen nach Marokko und Andalusien. Warum so lange? Schlichtweg weil die Flüge unverschämt günstig waren und wir uns optimal danach richten konnten.

Warum Marokko? Nunja, nachdem der eigentliche Plan nach Tunesien zu fliegen durch ein gewisses Attentat scheiterte, blieb uns nicht viel anderes übrig, als umzusatteln und nach neuen Zielen Ausschau zu halten.

Heute Morgen um 3 brachen wir somit in Köln auf, um mit der Bahn zum Flughafen zu kommen. Der Beginn war schon mal ein Reinfall, wir verpassten die Bahn am Hansaring haarscharf und ließen das Flughafendurchlaufen ein wenig spannender werden. Es klappt dennoch alles perfekt ineinander, nachdem wir eine Stunde im Schatten des Doms bei Vollmond gesessen hatten und wir heben uns gegen 6 Uhr morgens in die Lüfte.

In Marrakesh Menara, der bedeutendsten Stadt Marokkos kommen wir vier Stunden später an und ich bin sofort beeindruckt von der trockenen, rostroten Landschaft mit kleinen angelegten Grünen Carrés. Von oben betrachtet sehen die Städte wie kleine Spielzeugpackungen aus, die den Boden säumen.

Wir kommen wohlbehalten in der Stadt der Städte an. Mrksh bedeutet nämlich wohl einfach Stadt, Marrakesh hingegen dann Stadt der Städte und selbst „Marokko“ leite sich von ihr ab. Hier leben 900.000 Menschen und es soll die geschäftigste und lebendigste Stadt ganz Marokkos sein.

Mit dem Bus, bei dem wir für 3 Euro (umgerechnet 30 Marokkanische Dirham) eine Fahrt in die Stadt buchen können, mache ich schon erste Bekanntschaften mit dem Sprachengewirr. Alles Menschen scheinen Französisch dem gängigen Englisch vorzuziehen, mit dem ich mich normalerweise in nicht bekannten Ländern zurechtfinde. Auch Arabisch wird sehr gerne gehört und oft sofort darauf eingegangen, doch vor allem anderen ist Französisch die Sprache Marokkos. Da ist ein tolles Gefühl, da man auf Anhieb mit allen Menschen sprechen kann, doch auch bedarf es einiger Gewöhnung, sich an französisch sprechende Araber zu gewöhnen.

Der Bus bringt uns ins Zentrum – direkt zum Place Jamaa El Fna, dem Platz des Todes. Hier soll früher ein Gerichtsplatz gewesen sein. Morgens um 9 jedoch liegt er ganz ruhig und geräumig vor uns, als wir die paar Meter von der Busstation Richtung Place wagen. Nur wenige Verkäufer gibt es hier, die Touristen in Ruhe lassen und keinem aufdringlich werden. Das wiederum ist deutlich besser als ich von Marokko erwartet hatte. Nach den eindrücklichen Erfahrungen Indiens hatte ich mit vollerem, lauterem und forderndem Straßenleben gerechnet. Es ist jedoch richtig angenehm, hier durch den bedeckten Morgen zu laufen und ich fühle mich auf Anhieb sehr wohl.

Wir finden ein Hostel und suchen uns im erstbesten ein Zimmer – für 5 Euro pro Nacht scheint man nicht einmal länger suchen zu müssen. Es liegt direkt am Place und ist für einen Einstieg in Marrakesh wohl einfach ideal.

Obwohl ich seit 24 Stunden nicht mehr geschlafen habe, ziehen wir nach kurzer Pause gleich weiter und erkunden die Stadt. Wir lassen uns durch die vielen aneinandergereihten Souks (Märkte) treiben, verlieren uns in staunenden Blicken vor lauter wunderschönen Dingen, die es dort zu kaufen gibt. Lampen ohne Ende, unzählige Stoffe, Tücher, Kissen, Keramik in allen möglichen Fassetten, Ledertaschen soweit das Auge reicht und viele Holzarbeiten. Der Markt scheint in verschiedene Rubriken aufgeteilt zu sein, da wir nacheinander verschiedenste Handwerksdisziplinen erkennen. Auch Fisch, Gemüse und Obst wird in einem Teil der Medina, der Altstadt, angeboten. Unschlagbar sind letztlich aber doch die verzierten Kunstarbeiten aus alten Autoreifen.

Drei Stunden verbringen wir so im pulsierenden Herzen der Stadt, finden kaum mehr den Weg zurück, da die Schilder permanent in andere Richtungen weisen, und gewöhnen uns langsam an diese lebendige Altstadt.

Die Marokkaner begegnen mir sehr offen und warmherzig, viele sind für einen kleinen Plausch zu haben und aufdringlich für die eigenen Läden werben nur wenige.

Mitten im Souk finden wir ein kleines Einöd, das Heritage Museum einer Dame, deren Mann Sammler ist. In einer riesigen Alkove sind unzählige uralte Gegenstände wie Krüge, Teppiche, Lampen oder Bücher ausgestellt, die einen spannenden Einblick in das alte Marokko ermöglichen. Wir lernen ein französisch-marokkanisches Ehepaar kennen, die uns einige wertvolle Tips für die Umgebung und unsere Reise in Marokko mit auf den Weg geben können. Besonders beeindruckend ist auch der Blick von der Dachterasse über die umliegenden Dächer.

Zurück im Hostel ist erst einmal ein langer Mittageschlaf an der Reihe, bevor wir uns aufmachen, um die Jamaa El Fna bei Abendstimmung zu erkunden. Nun ist ein deutlich regeres Treiben anstelle des ruhigen morgendlichen Platzes getreten und wir werden von allen Seiten angeworben, dieses oder jedes Restaurant zu betreten. Auf einer Dachterasse mit Blick auf den ganzen Platz finden wir schließlich ein schönes Plätzchen, bestellen Couscous und Spieß mit Reis und Fritten. Zum Frühstück hatte ich Tagine gegessen, das praktisch als Nationalgericht Marokkos gesehen werden kann. Es wird in einem Tontopf mit kegelförmigem Deckel serviert und beinhaltet eine Art Schmorgemüse. Das vegetarische Tagine, das ich bestelle, beinhaltet viele verschiedene Gemüsesorten: Aubergine, Bohnen, Zucchini, Möhren und Kartoffeln. Sehr gesund vermutlich und sehr lecker.

Den ersten Tag im Land lassen wir mit einem frisch gepressten Orangensaft und einem Besuch der Dachterrasse des Hostels ausklingen, wo ein herrlicher Blick auf den hellerleuchteten Place zum Entspannen einlädt.

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