Una storia da Napoli

Neapel und Nola

Neapel und Umgebung
Neapel und Umgebung

2 Juli 2016

Nach der langen Reise ins von Marokko drei Flugstunden entfernte Italien komme ich sehr gut in Napoli an. Am Flughafen muss ich noch lange warten, bevor Gepäck und Reisepässe kontrolliert werden, muss aber zum Glück auf kein Gepäckstück warten und kann endlich durch die Tür nach Draußen gehen, wo ich meine Gastfamilie direkt in der Menschenmenge entdecke. Von der ganzen Familie werde ich unfassbar freundlich empfangen und gleich zum Frühstück eingeladen, nachdem ich seit gestern Abend nichts mehr gegessen hatte. Sehr lieb werde ich mit allem versorgt, was ich brauche und ich fühle mich in der kleinen, sehr edlen Villa ein wenig klein, aber wohl.

Nach dem Frühstück fahren wir durch Nola und ich kann endlich das originale Italienische Eis probieren, das super groß ist und in der heißen Sonne dieses Sommertags schnell zerschmilzt und auf die Hose tropft. Italienische Pizza gibt es auch endlich im Original, zunächst allerdings nach Hause bestellt und nach Meter gemessen. Diese Margerita ist jedenfalls einen wirklichen halben Meter lang und schmeckt vorzüglich.

Durch das digitale Sprachtraining der letzten zwei Wochen kann ich mich wenigstens ein wenig verständigen und verstehe durch die 300 gelernten Memrise Wörter schon super viel von den Gesprächen um mich herum. Ganz plötzlich machen auch Worte wie Mensa, Caffetteria und Garderobe so einiges mehr Sinn und ich staune immer wieder, wie viele offensichtlich italienische Wörter wir in Deutschland einfach so eins zu eins übernommen haben.

Nachmittags fahren wir zum Volcano Buono, einem großen Einkaufszentrum in der Nähe, das von außen der perfekten Form eines bewachsenen Kraters nachempfunden wurde. Ein italienischer Stararchitekt hat es entworfen, jedoch mit deutlich mehr Besuchern gerechnet. Innen tun schnell die Füße weh vor lauter Geschäften, die wir links liegen lassen während wir dem großen Kreis um den offenen kraterförmigen Innenhof folgen.

Auch nach Lauro fahren wir, wo wir ein Castello besuchen, das am Rande des verwunschenen Dorfes liegt. Besonders der unglaubliche Mix aus uralten hohen Torbögen, niedrigen und einfachen Häusern und modernen Läden ist merkwürdig. Im Tal liegen hier einige Dörfer, die von dem Erdbeben 2008 immer noch Spuren tragen. An beiden Seiten der Bergkette wurden viele Dörfer verwüstet und Papa Aniello erinnert sich, dass er gesehen hat, wie sich der Berg augenscheinlich bewegt hat.

Abends ist noch das EM-Spiel, in dem Italien gegen Deutschland antritt. Aus Solidarität mit meiner Gastfamilie Male ich mir nicht nur die deutsche Flagge, sondern auch die Italienische auf beide Backen und rüste mir für die Entscheidung zwischen den zwei rivalisierenden Herzen, die in meiner Brust schlagen. Als Deutschland schließlich im Elfmeterschießen siegt und ein Tröpfchen Elend von Trauernden Italienern zurücklässt, bin ich deshalb gütig und freue mich nicht allzu sehr, nehme ihr Lob aber gerne an. Als es heute Morgen nach der Ankunft hieß “Ruh dich aus, heute Abend werden wir euch schlagen” und ich “D’accordo” geantwortet hatte, war dies wohl noch keineswegs absehbar. So hat wohl meine Mittagspause den Italienern den Titel gekostet. Peccatto.

3 Juli 2016

Nach der Schmach von gestern darf ich glücklicherweise bleiben und muss nicht den ersten Flug nach Hause nehmen. So schlafe ich erst einmal bis 8, was nach marokkanisch Zeitrechnung für mich allerdings immer noch 6 Uhr morgens bedeutet. Das Prima Colazione gibt es für mich mit Milch, Kaffee und Biskuit, wobei die harten Kräcker in die warme Vollmilch getunkt werden.

Mit Papa Aniello fahren wir hoch in die Berge nach Quindici (15) wo er geboren ist und lange gelebt hat. Alle kennen ihn und er grüßt freundlich die vielen Menschen, die in den engen Gassen sitzen und quatschen oder Karten spielen. Dort fahren wir zu einer Cousine, die in einem schönen Haus vor den Bergen wohnt. Im Anschluss geht es weiter zur Großcousine, die in Stuttgart lebt und gerade auf Wochenendbesuch hier ist. Mariegrazie heißt sie; wohl ein Name, der in Deutschland ziemlich auffallen dürfte. Sehr lieb ist sie allerdings und empfängt uns sehr freundlich.

Zu den zwei Friedhöfen der Umgebung fahren wir auch, in denen jede Familie eine kleine Kapelle besitzt. An der Fassade stehen die Namen der Familie, deren lange Tradition hier nur allzu gut erkennbar ist. Die Söhne übernehmen den Namen des Großvaters, sodass die Namen der Familie hier bereits mehrfach in goldenen Lettern prangen. Teure Traditionen sind dies allerdings. 50.000 Euro bezahlen Familien hier mitunter für die kleine Kapelle mit Gebetsraum im Keller.

Zuhause gibt es hausgemachte Gnocchi mit Tomatensauce, Pecorino und Salat, einfach wirklich super lecker! Dazu Wein, den der Onkel produziert mit eingelegten Pfirsichen; auch das ein Schmaus.

4 Juli 2016

Heute ist Montag, der erste Tag der Woche und gleichzeitig der erste Tag, um etwas zu unternehmen. Mit dem Zug fahren wir von Nola aus nach Caserta, das ein wenig im Norden liegt und nur eine halbe Stunde entfernt ist. Dort laufen wir zur Reggia, einem Palast, in dem der König von Napoli und später auch ein Papst wohnten. Die Reggia ist unfassbar groß, wahnsinnig prunkvoll und zählt mehr Räume als man sich vorstellen kann. Eine Anticamera reiht sich an die nächste, ein Zimmer der Königin an das nächste. Es ist beeindruckend weitläufig und dauert ewig bis wir es einigermaßen abgelaufen haben. Viel lädt zum Staunen und fotografieren ein. Auch eine kleine Ausstellung mit einem Haring und einigen Deutschen Künstlern ist dort zum Thema Terra Morta, Erdbeben. Nicht selten in der Region, hat schon einiges an Schäden angestellt. In so einem Himmelbett und mit so vielen Verzierungen und schönen Möbeln würde ich doch auch sehr gerne mal für ein Weilchen wohnen. Das Beste ist jedoch vielleicht der Garten, der sich über Kilometer an der Rückseite der Reggia ausstreckt. Wir mieten ein Fahrrad und fahren bis Ana Ende, wo ein Wasserfall den Berg säumt und in einem Brunnen mit vielen Statuen endet. Hier ist auch ein riesiger englischer Garten, der wohl noch nie offen war, als die Familie sonst hier war. Die Bäume sind riesig und die Auswahl ist beeindruckend!

5 Juli 2016

Heute ist Dienstag, und somit endlich Zeit für die große Stadt – für Napoli. An der Piazza Bovio steigen wir aus dem Bus aus und laufen erst runter ans Meer, haben die perfekte Aussicht auf den Ozean und den Vesuv direkt daneben. Laufen durch die Stadt, durchs Spanische Viertel, zur Galeria, durch kleine Gassen, auf und ab, über große Alleen und Boulevards. Viel zu viel um es auffassen zu können. Viel zu viel um es verstehen zu können. Ich bin völlig platt. Kann schon im Palazzo Reale kaum noch stehen, wo wir uns durch die vielen Räume Schlingen. Die Räume und der Aufbau sind sehr ähnlich von Caserta gestern, aber diesmal mit Audioguides und deshalb sehr gut verständlich und macht viel Sinn. Spannende Räume, schöne Tücher als Tapete, sehr edel, tolle Gemälde. Alles ist verbunden. Spanische Burbonen, Italiener, Ägyptische Statuen, Deutsche Maler.

Zum kleinen Essen zwischendurch gibt es eine super leckere Sfogliatella, ein Gebäck mit blättrigem Teig in zwanzig Schichten und unfassbar fein mit Ricotta gefüllt. Herrlich. Von dort aus gehen wir zur Pizzeria Sorbillo, die Weltbeste der Welt, die beste der Stadt. Es ist eine Familie, deren 20 Mitglieder jeweils ein Geschäft eröffnet haben, in dem es Pizza oder manchmal auch Fisch gibt. Das wäre mal eine Reise wert, die alle zu besuchen. Die Pizza hier mit dem Hausgemachten Bier zusammen ist herrlich! Das Öl aus der Region Kampagnia, die Pomodori frisch von hier, der Mozzarella ist hier sowieso am besten, wo er als Original herkommt. Und der Oregano wächst auch hier. Alles aus Napoli und Umgebung also. Da, wo die Pizza herkommt und wo sie am besten ist! Unvergleichbar und plein de goût.

Von dort aus machen wir uns langsam auf den Rückweg auf, ich sehe die Stadt nun erholter mit anderen Augen und freue mich über die tolle Möglichkeit, Neapel zu sehen! Wunderschön und ein unglaublicher Mix, der so gar nicht zusammenpasst und dennoch harmoniert. In einem kleinen Café trinken wir noch einen super leckeren Espresso, der voller Geschmack ist, und endlich die Bitterkeit Marokkos entbehrt. Sehr fein. Von der Cucina Italiana bin ich jedenfalls längt überzeugt. Soviel ist sicher. Mit dem Bus geht es zurück nach San Paolo Bel Sito. In die Stille und Ruhe der Provence. Aber Napoli ist toll, das steht fest!

6 Juli

Nach dem anstrengenden Dienstag und Montag heute erst einmal ausschlafen und entspannt den Tag angehen. Wir fahren raus aus San Paolo und laufen durch die Haselnusswälder des Onkels zurück. Überall stehen Olivenbäume, Haselnusssträucher und Mandarinen-, Orangen und Zitronenbäume. Es ist eine kurze Wanderung und während wir uns noch über Jobaussichtsvergleich unserer Länder auslassen und das föderale System Deutschlands mit dem Regionalsystem Italiens vergleichen sind wir längst angekommen in der Via Casavisciano. Ein wenig schade ist es, aber anscheinend gibt es wirklich nicht viel mehr zu sehen, was zu Fuß erreichbar ist. Selbst bis zum Ende des Ortes sind es nur fünf Minuten zu Fuß, die wir schnell erreicht haben.

Das Essen der Mamma Italiana ist wirklich herrlich und die Italienischen Käsesorten, Ricotta, Mozzarella, das Obst und ihre Gerichte sind wirklich super lecker! Ein Schmaus. Genieße es wirklich sehr, hier zu sein. Auch wenn es tagtäglich so viel Essen gibt wie in einer Woche in Marokko zusammen! Mon Dieu.

7 Juli

Heute ist Donnerstag, der Tag, dennoch dazugekommen habe, weil ich den Flug für Samstag und nicht schon für heute gewählt habe. Gute Entscheidung wie sich zeigt, denn der heutige Tag ist wunderbar und der Beste von allen. Früh machen wir uns auf mit dem Zug von Nola nach Salerno, also in die entgegengesetzte Richtung von Caserta und fahren eine halbe Stunde bis wir am Meer ankommen. In Salerno gehen wir direkt zum kleinen Hafen, buchen die nächste Föhre nach Amalfi und genießen den atemberaubenden Blick auf die Steilküsten, die von Salerno über Minori und Magliori ins wunderschöne Amalfi führen.

Schon die Anfahrt mit dem Boot ist wunderschön und bietet vielleicht sogar den besten Blick auf das kleine touristische Städtchen. Es liegt am Fuße einiger Berge, die steil im Hintergrund prangen und von Weingärten gesäumt sind. Die Häuser sind hell und weiß oder in Pastelltönen gestrichen, der Kirchturm ragt weit in den Himmel und die Stadt ist voll von Eisdielen, Pizzerias und Souvenirläden. Aber das soll uns nicht stören, immerhin sind wir ja fast Lokale und streunen nur ein wenig durch die Straßen während wir versuchen der glühenden Sonne zu entgehen. Das ist schwerer als erwartet wie sich herausstellt, vor allem an solch einem heißen Tag mit locker 36 Grad. Nachdem wir die lange Treppe hochgestiegen sind um zur Kirche zu gelangen und die tolle Aussicht über die Dächer zu genießen wäre ich am Liebsten weiter hoch in die Berge bis hoch zum Wachturm gestiegen.

Aber nur ich habe ein Kappe dabei und nur Deutsche sind so wahnwitzig, sich eine solche Tortur anzutun, nur um ein wenig Blickvorsprung vor den anderen zu erlangen. So bleiben wir also auf Katzenniveau und schlendern durch Zitronengesäumte Souvenirgassen, in denen die aberwitzigsten Pastasorten angeboten werden. Hungrig sind wir beide doch sowieso immer, aber dieses Essen hätte ich in einer solch touristischen Stadt nicht erwartet. Ravioli mit Ricotta gefüllt, hausgemacht, dazu Bruscetta mit Tomatenstückchen drauf, und eisgekühlte Cola. Aber wann habe ich denn jemals solche leckeren Ravioli, die in einer genial deliziösen Tomatensause schwimmen, gegessen? Wirklich herzhaft. Also direkt am Fuße der Kirche, es lohnt sich!

Um der Hitze zu entfliehen, essen wir ein Eis, das hier jedoch einfach mal 7 Euro pro Copa kostet und leider nicht am, wirklich lecker ist. Dann hätte ich doch lieber den Zitronen-Grato genommen, den Zitronensaft, der mit Crushed Ice gemischt ist und hier überall angeboten wird. Aber die Eisdiele mit „Traditionellem Hausgemachten Eis“, die ein wenig vielversprechender aussah und direkt gegenüber lag, haben wir leider übersehen. Aber das sind wohl die Preise denke ich. Nur komisch, dass man mehr für zwei Kugeln Eis als für eine Pizza bezahlt.

Amalfi ist wirklich wunderschön und auch die Stunden, die wir unter Sonnenschirmen und auf Liegen am Wasser verbringen sind herrlich. Das Wasser ist sehr angenehm, unglaublich transparent und perfekt sauber und einfach perfekt zum Schwimmen. Was in Eilat genial wirkte, weil ich es noch nie so gesehen hatte und ich über meinen eigenen Schatten auf dem Meeresgrund staunte, war hier wie selbstverständlich. Aber auf die Jordanischen und Ägyptischen Berge am Golf von Aqaba konnten lange nicht mit dem genialen Bergpanorama mithalten, das ich beim Schwimmen hier in Amalfi hatte. Einfach atemberaubend schön! Träumerisch unwirklich. Es ist ein wenig wie schwimmen vor einer Leinwand, die etwas vorgaukelt, was rein logisch gar nicht beieinander sein kann.

Gesättigt von der Meeresbrise, verzaubert von den Bergen und erschöpft von der Sommersonne fahren wir mit dem Boot wieder zurück nach Salerno. In Salerno schlendern wir zum Tagesabschluss noch den Lungomare entlang, den langen Boulevard, der sich die ganze Länge des Meeres lang erstreckt und von Bäumen gesäumt eine herrliche Sicht auf die Bergkette bietet.

8 Juli

Nach der langen Tour von gestern brechen wir heute nicht allzu früh auf und fahren erst gegen 10 mit dem Auto nach Sarno. Nach Pompeii nehmen wir die Circumvesuvitania, der alten Straßenbahnlinie, die einmal um den Vesuv herum führt. Angekommen laufen wir durch die Hitze, die um 11 schon bald unerträglich ist, ans Ende der Stadt und spazieren bis zum Eingang der Ausgrabungen, die derzeit ein Gigantprojekt der Europäischen Union sind.

Bis halb 4 nachmittags laufen wir durch die alten Gassen, in denen noch so einige Touristenscharen unterwegs sind. Super beeindruckende Tour! Wahnsinnig gut erhaltende Reliefs, spannend, die alte Geschichte so zu sehen. Es ist heiß, aber ich habe doch noch einiges mehr Energie als die ziemlich mitgenommen wirkenden Italiener. Pompeii am letzten Tag noch gesehen zu haben bin ich sehr dankbar. Lupanare, das Bordell, Cave Carneum, Vorsicht vor dem Hund, Mosaike, Reliefs, Thermalbäder, Theater. Spannender Ort, der sich auf jeden Fall lohnt, egal, wie heiß es ist. Aber Zeit muss man mitbringen, und zwar nicht wenig.

Zuhause erst mal die wohlverdiente Dusche, zum Abendessen dann Antipasti, Ricotta mit Spinat, Insalata, Panino con Mozzarella. Sehr fein und sehr lecker! Dazu Bier aus dem Elsass und danach ein kleines Glas Limoncello aus der Region, selbstgemacht. Fein! Jetzt verstehe ich auch, warum alle immer von der Italienischen Lebensart schwärmen!

9 Juli

Zum Frühstück gibt es wie jeden Morgen Biscotti und Milch und Kaffee und Mammas Marmelade. Diese will mich auf jeden Fall heute ungern gehen lassen und schon gar nicht mit leeren Händen und gibt mir noch einen Schal für meine Mama mit.

Zum Flughafen fahren wir über die Autostrada, die Autobahn, die hier allerdings grün und nicht blau wie in Deutschland ist und auf der Peage gezahlt werden muss. Die ganze Familie verabschiedet mich sehr lieb und wünscht mir Hals- und Beinbruch. „Nella boccha del Lupo“. „Crappi“ wird darauf geantwortet. Mittlerweile haben sie zur Verständigung und Belustigung alle sogar doch noch ein paar Worte aller Sprachen ausgepackt, die sie je in ihrem Leben gesprochen haben. Langsam, Scheiße, Thank You und Voila, Demeng Mateng, Mademoiselle. Zum Abschied werden mir italienische Kusshände zugeworfen und bis zum nächsten Mal, in Shah Allah – wenn Gott es will.

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